„Wer macht bei euch die Wäsche?“

„Wer macht bei euch die Wäsche?“

DSC_0003Da denkt man sich „Ballenberg“ als Synonym für altväterlich verstaubt und gerät dann beim Besuch in einen multikulturellen Touristen Hotspot! Was ich aber überraschender fand als die exotischen Sprachen um uns, war der Führer „Zusammen unterwegs im Freilichtmuseum Ballenberg“. Die Suche nach seinen sieben Stationen führt quer durch das ganze Gelände und damit durch die Schweiz und alte Handwerke. Die Schrift im Führer entziffern Erstleser genauso einfach wie Omas ohne Lesebrille und die Zeichnungen auf dem dicken Papier regen zum Weitermalen an. Das grosse Heft liegt angenehm in der Hand. Hand anlegen sollen wir auch bei den Stationen: z.B. Waschen mit dem Waschbrett, ein Seil drehen, Apfelringli dörren. Aber das Tollste sind die Fragen! Sie führen weg vom Wissen, das von den „Alten“ an die „Jungen“ weiter gegeben wird, zum gemeinsamen Erkunden und Weiterdenken: z.B. „Was darf in eurem Lebensmittelvorrat nicht fehlen? Was macht ihr mit übrig gebliebenen Lebensmitteln?“ Verstaubt? Nur meine Vorstellung. Und vielleicht meine Rolle: Ich mache bei uns die Wäsche!

Ballenberg, Freilichtmuseum der Schweiz
Museumsstrasse 131
3858 Hofstetten bei Brienz

11. April bis 31. Oktober 2015, täglich geöffnet von 10.00 bis 17.00 Uhr

Veröffentlicht im Grosseltern Magazin, Oktober 2014

Alles bewegt sich

Alles bewegt sich

???????????????????????????????„Mama, wir haben jetzt eine Riesen-Maschine!“ berichtet Lioba daheim. Der beunruhigten Mama versichert sie, dass die Maschine trotzdem im Museum Tinguely bleiben könne. Die dreijährige Lioba näherte sich Jean Tinguelys Maschinen zuerst mit aller Vorsicht – gross, unvorhersehbar in ihrer Bewegung und laut sind einige. Dann entdeckte sie die feinen kleinen, die ihrem Sensorium entsprechen: ein verbogener Draht, der beim Umsichwirbeln zur Ballerina wird, ein Clown, der sich in einer Schüssel wackelnd dreht. Darauf näherte sie sich den grösseren Kunstwerken immer mutiger. Ihre kleine Schwester gab sich von Anfang an der Angstlust hin, wenn einer der Kolosse ratternd und pfeifend ansprang.
Meine Befürchtung, die Kinder würden Tinguelys Werke innerlich unbeteiligt betrachten wie ich als Kind die Miniatur-Eisenbahnanlagen, die auf Knopfdruck Züge losschickten, war grundlos. Charme und Anarchie machen seine Werke zu derart grosser Kunst, dass Kinder sie nach kurzer Zeit eben einfach besitzen.

Museum Tinguely
Paul Sacher-Anlage 2
4002 Basel
Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr

Veröffentlicht im Grosseltern Magazin, März 2015

Rundum-Entdeckungen im Thuner Panorama

Rundum-Entdeckungen im Thuner Panorama

???????????????????????????????„Am Anfang ist alles so nüchtern in dem Raum und dann ist da nur EIN Bild. Ich hab befürchtet, dass das langweilig wird“, gesteht meine 16jährige Begleiterin nach dem Besuch des Thuner Panoramas, gemalt 1809 von Marquard Wocher. „Aber so, wie wir das jetzt gemacht haben, war es lustig!“ Das verdanken wir dem „Wocher-Koffer“, einem schrankgrossen Zylinder mit reichem Innenleben. Die darin verstauten Spiele – z.B. Puzzle, Tastspiel, Geschichte zum Suchen – helfen das riesige Bild in seinen vielen Details wahrzunehmen. Wir finden darauf den Maler und seinen Freund, rätseln, ob Wocher der grosse Herr oder der kleine mit den X-Beinen sei. Wir erkennen beim Tastspiel die ertasteten Würfel nicht als Zucker und diskutieren, ob es ihn damals in Würfelform gegeben hat? Und wir sinnieren über die Zeit. 200 Jahre, das hört sich nach nicht lange vorbei an, doch in Manchem scheint 1809 sehr weit weg: „Dass einer Käse auf einem Holzgestell am Rücken trägt, das dachte ich, wäre im Mittelalter!“ sagt Flurina.
Das Panorama von Thun zeigt das Alltagsleben in der damaligen Kleinstadt. Es ist 39 Meter lang, 7,5 Meter hoch und das weltweit älteste erhaltene Panoramabild.
Flurina empfiehlt allen Familien den Besuch, „aber sie müssen unbedingt die Spiele benutzen!“

Schadaupark, 3602 Thun
Dienstag bis Sonntag: 11–17 Uhr (ab 28. März)

Veröffentlicht im Grosseltern Magazin, Dez 2014/ Jan 2015

Lucky Luke im Museum

Lucky Luke im Museum

DSC02275Jungen in der Pubertät leben in einem Zwischenreich. Da ist die Freude an einem Kinderwitz: „Was ist das? Ein Bär schreit auf einer Kugel? – Ein Kugel-Schrei-Bär!“ und die coole Selbstironie, wenn alle endlich begriffen haben: „So flach dieser Witz, so flach!“ „Ice Age“ lieben und Videos von wilden Parkours-Läufen drehen – das beisst sich nicht. Können sich Jungs in dem Alter für ein Museum interessieren? Der 15-jährige Paolo und ich probierten es – im Cartoon-Museum in Basel. Gerade ist Joost Swarte, ein Klassiker der Comickunst ausgestellt. Paolo mochte besonders seine skurillen Phantasien. Dass Swarte in Holland Glasfenster für eine Kartonfabrik mit Comic-Zeichnungen gestalten kann, beeindruckte uns. Und dann schlüpften wir in der Museums-Bibliothek ins alterslose Reich der Comics. Lucky Luke und die Daltons im Museum – das gefiel uns beiden besonders gut!

Cartoonmuseum
St. Alban–Vorstadt 28
4052 Basel

Veröffentlicht im Grosseltern Magazin, Februar 2015

Workshop für die Kleinsten

Workshop für die Kleinsten

Stilleben Workshop mit Dreijährigen

Ins Rietberg Museum gehen – das ist Heraustreten aus dem Alltag. ALLES ist plötzlich ruhig und schön. Und dorthin gehen mit einer Dreijährigen, dem Synonym für Krach und Chaos? Doch der Workshop „Mach mit!“ ist genau für die kleinsten Knirpse ausgeschrieben. Diesmal findet er im Park statt. Die Museumspädagogin erklärt uns Grossen – natürlich (?) nur Mütter und Grossmütter – den Hintergrund des besuchten Kunstwerkes kurz und kompakt und wir legen los: aus neonfarbigen Trinkhalmen und bunten Klebstreifen entstehen Figuren. Ich verzweifle zuerst an der Glätte der Plastikröhrchen, Lioba ist keine wirkliche Hilfe beim Zusammenkleben. Da fällt mir zum Glück auf, dass ich im Modus „Wettbewerb“ arbeite und lehne mich zurück. Die Kinder, die heute nicht zum ersten Mal teilnehmen, sind gemütlich am Schnippeln und Kleben und Malen. Ihre Mamas helfen, wenn nötig und unterhalten sich gleichzeitig. Und schon ist Zeit für das Znüni. Danach werden die Kunstwerke ausgestellt und gemeinsam bewundert und die Kinder sind immer noch angesteckt von der friedlichen Atmosphäre!

Kein Wunder wird dieser Workshop doppelt geführt, immer an einem Freitag von 9:30 bis 10:45– siehe Agenda unter http://www.rietberg.ch

veröffentlicht im Grosseltern-Magazin, November 2014

Die Angst der Enkelin vor dem Mammut im Naturama

Die Angst der Enkelin vor dem Mammut im Naturama

MammutDie wenigen ausgestopften Tiere im Naturama in Aarau wecken in mir eine zärtliche Nostalgie nach dem Naturhistorischen Museum meiner Kindheit, einer Ansammlung von präparierten Tieren. Die knapp dreijährige Lioba reagierte auf das rekonstruierte Mammut aber für mich ganz unerwartet mit reiner Angst. War es ihr genetisches Erbe der Steinzeit, das diese eigentlich sinnvolle Reaktion dem Riesenvieh gegenüber auslöste? Beim nächsten Besuch dann näherte sie sich ihm als echter digital native angstfrei per touch screen. Sie erkannte sofort in der Felszeichnung auf dem Bildschirm das Mammut wieder. Schon damals in der Höhle war wohl ein Medium – die Zeichnung – nötig gewesen, um die Angst vor dem furchteinflössenden Tier zu bannen.

Das Naturama bietet neben solchen Einsichten eine Riesenmenge von Themen zu Natur und Umwelt. Die Kinder bewegen sich frei, entdecken, fassen an und probieren aus, je nach Stand ihres Wissens und Interesses – ein Ort für gemeinsame Entwicklungen an vielen Regentagen.

Veröffentlicht im Grosseltern-Magazin, Sept. 2014

Männer zum Wickeln!

Männer zum Wickeln!

2015-01-23 Nbg. weibl
Gewagte Grafik für ein Damen-WC mit Wickeltisch:
identifiziere ich mich mit einer Glocke mit zwei Schwengeln? Während ich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg noch meinen eher unfreundlich eingefärbten Assoziationen zu dem schematisierten Baby nachhänge, sehe ich:
2015-01-23 Nbg. männl
und nehme alles zurück. In einem Museum mit derart altmodischem Namen entdecke ich mein erstes Männer-WC mit Wickeltisch (ohne integrierte Behinderten-Toilette) in deutschsprachigen Landen!

 Bewertung: *****

Museum Tinguely

Museum Tinguely

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Der Tinguely Zwerg

Zuerst war Lioba gar nicht zufrieden mit Monsieur Tinguely:  kopfunter hängte er den Zwerg! Und wenn die Riesenmaschine läuft, wird er vielleicht sogar in das Fass voll Wasser darunter getunkt? Als die Maschine später wieder lief, war Lioba beruhigt: der Zwerg dreht sich nur im Kreis und rührt das Wasser mit seinem Rechen um.

Tinguely Riesenmaschine
Die  Riesenmaschine

Ich bin hingegen von Anfang an hin und weg vom Tinguely-Museum: lichtdurchflutet mit viel Platz, die Kinder können ihrem Bedürfnis, Dinge anzufassen nachkommen, indem sie auf dicke Knöpfe drücken – und dann werden die wunderbarsten Maschinen lebendig! Und wir müssen begeistert schauen und schauen und schauen. Read more

Gastfreundschaft im Landesmuseum…

Gastfreundschaft im Landesmuseum…

Bei den beiden Sofas im Bistro des Landesmuseums Zürich gefunden:Zettel Landesmuseum

Okeh – Kinder können bröseln, kleckern, nervig sein. Besonders die der andern Familien.
Aber hey – so ein Zettel in einem Museum, das die Schweiz präsentiert (von den Fehlern im Text wollen wir jetzt mal nicht reden)?? Oder gehört diese Kleinkariertheit zum Immateriellen Kulturerbe der Schweiz und wurde bewusst ausgestellt?
Im Sommer 2014 gab es einen „Zentralschweizer Tourismustag“ an der Hochschule in Luzern. Es ging um die Gastfreundschaft in der Innerschweiz, Read more

Kunstmuseum contra Naturhistorisches Museum

Kunstmuseum contra Naturhistorisches Museum

Da war ja die Frage, weshalb Grosseltern so gerne in Naturhistorische Museen gehen. Letzthin, es regnete mal wieder blödsinnig, schlüpften wir im Aarauer Kunsthaus unter. Toll, wir wurden ungefragt ausgestattet mit Blöckli und Stift (im Blöckli sind Aufgaben, für die L und F noch zu klein sind, aber L „schreibt“ sowieso so gerne). Und dann waren wir begeistert, weil in der Walser-Ausstellung die Bilder so tief hingen, dass sie Kinder anschauen können, ohne hoch gehoben werden zu müssen. Das wollte ich gerade fotografieren, da kam die nette junge Aufsicht und wies mich darauf hin, dass Fotografieren im Kunsthaus verboten sei… Schwenk auf die schönen Stiefelchen… Aber2014-07-08 16.50.232014-07-08, Aarau, Walser dann war da ein Grün an der Wand! Und Ls gelbe Hose dazu! Ich MUSSTE es fotografieren. Entschuldigung, liebes Kunsthaus!

Und dann fing F (1 1/2) an, den Hall in den grossen Räumen zu testen. Und der ist gut – Fs Gesang hallte durchs ganze Haus. Und da wusste ich zumindest zwei Gründe, weshalb Grosseltern gerne in Naturhistorische Museen gehen: man darf dort fotografieren und sie sind so vollgestellt, dass F sofort klar ist, dass es nicht wie in einer Kirche hallen wird, wenn sie singt.

Heute kam ein Freund von Lissabon heim und erzählte vom Kunstmuseum dort – „aber gerne, fotografieren Sie!“ sagte die Aufsicht.